Mittwoch, 21. September 2011

Atomstromimport nach Deutschland ist gezielte Atompropaganda

Hier poste ich aus gegebenen Anlass die E-Mail vom BUND welche die Problematik gut wiedergibt:

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Liebe Freundinnen und Freunde in den div. Atomverteilern,

(Doppelaussendungen sind leider nicht zu vermeiden)

Auch heute wieder bekam ich von einer Umweltschützerin eine Anfrage, die immer häufiger an uns gestellt wird:


Hallo BUND,

ich wurde darauf angesprochen, dass in der BZ ein Artikel gewesen wäre,
der behauptet, dass wir 51% mehr Strom aus Frankreich importieren wie im
Jahr (2010?) zuvor. Da ich den Artikel nicht gelesen habe und mir auch
sonst nichts bekannt ist, gebe ich die Frage an euch weiter. Falls das
stimmen würde, wäre es eine Blamage für unser Land, denn so stelle ich
mir den Umbau von Atomstrom zu regenerativen Formen nicht vor, zumal ich
den Nachbarn bezüglich der Sicherheit ihrer Atommeiler, mich nicht
Sicherheit wähne. Könnt ihr mir hierzu etwas schreiben oder eine Quelle
angeben wo ich das etwas genauer nachlesen kann.

Grüße XXXXX
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Wenn selbst UmweltschützerInnen so etwas fragen, dann ist die
Verunsicherung in der "Normalbevölkerung" noch viel größer.
Jetzt zeigt sich dass das falsche Argument von der industrienahen
Zeitschrift Focus gezielt und erfolgreich gestreut wurde.
Ob die Medien die den Focus zitierten jetzt ihre Falschaussagen wohl
berichtigen?
Gruß
Axel



Hier findet Ihr die Gegenargumente:
http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-09/deutschland-exporteur-strom

http://www.klimaretter.info/energie/hintergrund/9462-deutschland-bleibt-stromexporteur

Klimaretter – 20.9.2011

Deutschland bleibt Stromexporteur

Nun ist es höchstamtlich: Zwar verkauften deutsche Stromkonzerne im
ersten Halbjahr 2011 nicht einmal mehr halb soviel Strom ins Ausland wie
im gleichen Zeitraum 2010. Deutschland ist aber nicht abhängig von
tschechischem oder französischem Atomstrom. Umweltpolitiker von CDU und
CSU wollen plötzlich sogar weltweit aus der Atomkraft aussteigen: Auf
einer Tagung zur Energiewende in Hamburg beschließen sie eine Resolution
zur Energiewende in Deutschland.

Von Nick Reimer

Es ist jetzt neun Tage her, dass falsche Zahlen durch die Medien
geisterten. Auch klimaretter.info hatte über einen Artikel des Focus
berichtet [1], der behauptete, Deutschland hänge nach dem Abschalten der
acht Atomkraftwerke am Stromtropf anderer Nationen. Demnach flossen
zwischen Januar und Juni aus Frankreich 10,4 Milliarden Kilowattstunden
Strom ins Land und damit 51 Prozent mehr elektrische Energie als im
gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Tenor: Jetzt verbrauchen die
atomausgestiegenen Deutschen eben französischen Atomstrom und
finanzieren so die grande nation.

Nun stellt sich heraus: Sowohl die verbreiteten Zahlen als auch der
Tenor sind falsch. Nachdem der Bundesverband der Energie- und
Wasserwirtschaft (BDEW) [2] am vergangenen Freitag bereits einen
Strombilanz-Überschuss von vier Terawattstunden konstatierte - im ersten
Halbjahr dieses Jahres wurden 29 Terawattstunden Strom exportiert und 25
Terawattstunden importiert [3] -, veröffentlichte das Statistische
Bundesamt am heutigen Dienstag die offiziellen Daten. Und die liegen
deutlich näher am BDEW als am Focus.

Das Statistische Bundesamt stellt fest: Im ersten Halbjahr 2011 wurden
23,9 Terawattstunden über die europäischen Stromnetze nach Deutschland
eingeführt, zur selben Zeit aber 27,9 Terawattstunden exportiert. Die
größten Strommengen wurden demnach aus den beiden Nachbarländern
Frankreich (10,4 Terawattstunden) und der Tschechischen Republik (5,6
Terawattstunden) eingespeist. Die beiden wichtigsten Abnehmer für Strom
aus Deutschland waren die Alpennachbarn Österreich (7,8 Terawattstunden)
und Schweiz (7,6 Terawattstunden).

Die Statistiker vermelden jedoch ein Schrumpfen der Handelsbilanz:
Konnten die deutschen Energiekonzerne im ersten Halbjahr 2010 noch 10,9
Terawattstunden Strom ins Ausland verkaufen, so waren es im gleichen
Zeitraum dieses Jahres nur noch 4,1 Terawattstunden. 1 Terawattstunde
entspricht einer Milliarde Kilowattstunden.

Französischer Strom über das Transitland Bundesrepublik

Das bedeutet: Auch nach dem Abschalten der ersten acht Atomreaktoren ist
Deutschland nicht auf Strom aus dem Ausland angewiesen. Bis zum 17. März
liefen die sieben ältesten AKW, dann wurden sie abgeschaltet [4]. Der
Handelsüberschuss kann nicht allein aus den ersten beiden Monaten des
Jahres stammen.

"Die Mär von der Abhängigkeit vom ausländischen Atomstrom ist
widerlegt", erklärt Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Kampagne
"ausgestrahlt". Zwar werde tatsächlich aus Tschechien und Frankreich
mehr Strom in die Bundesrepublik eingeführt als in diese Länder
geliefert wird. Aber auch dafür gebe es Gründe, die nicht ins Wunschbild
der Atomkraftfreunde passen. Stay: "So ist ein Teil der Importe aus
Tschechien Windstrom aus Norddeutschland, der über das polnische und
tschechische Netz nach Bayern geliefert wird. Und der Strom aus
Frankreich ist teilweise Transitstrom für Italien, der über Deutschland
und die Schweiz weitergeleitet wird."

Bislang zumindest hat der Focus seinen Fehler nicht berichtigt.

Die Umweltexperten der Landtagsfraktionen von CDU und CSU wollen
unterdessen plötzlich weltweit aus der Atomkraft aussteigen. Bei einem
Treffen der CDU-Umweltexperten aus allen 15 Bundesländern - auch die
bayrischen CSU-Kollegen hatten sich in Hamburg eingefunden - erklärte
die umweltpolitische Sprecherin der Hamburger CDU-Bürgerschaftsfraktion
Birgit Stöver [5]: "Der Ausstieg aus der Kernenergie darf kein deutsches
Phänomen sein. Das Ende der Atomkraft  muss weltweit vorangebracht werden."

Die Unionspolitiker diskutierten seit Sonntag auf einer Tagung eine
eigene Resolution zur Energiewende in Deutschland. Themen war unter
anderem die strittige Gebäudesanierung. "Aus klimapolitischer Sicht
steckt das größte Einsparpotenzial in der energetischen
Gebäudesanierung. 40 Prozent der in Deutschland verbrauchten Energie
wird als Wärme in Gebäuden genutzt", erklärte Birgit Stöver. Deshalb sei
die von der Bundesregierung geplante steuerliche Absetzbarkeit der
energetischen Sanierungskosten sinnvoll.

Steuerliche Absetzbarkeit kommt Konjunkturprogramm gleich

Die Bundesländer haben diesen Vorschlag bislang abgelehnt, sie
befürchteten Mindereinnahmen durch die steuerliche Abschreibungen.
Stöver: "Ich gebe zu bedenken, dass durch die Auftragsvergabe nicht nur
der heimische Mittelstand gefördert wird, sondern dadurch auch
umfangreiche Steuermehreinnahmen in die Länderkassen gespült werden."
Die Mehrheit der Umweltpolitiker sei sich deshalb einig - heißt es aus
der Fraktion -, dass eine solche Abschreibung einem Konjunkturpaket
gleichkäme. "Ein ausgelöster Euro kann bis zu vier Euro mobilisieren",
erklärte ein Fraktionsmitarbeiter - "unfassbar, dass die Länder dafür
auch noch steuerlich entlastet werden wollen."

Im Text verwendete Links:
1. http://www.focus.de/politik/deutschland/atomausstieg/nach-abschaltung-von-acht-akw-deutschland-haengt-am-franzoesischen-stromtropf_aid_664202.html
2. http://www.tarife-verzeichnis.de/nachrichten/6368-bdew-korrigiert-stromfluss-angaben-deutschlands.html
3. http://www.klimaretter.info/energie/nachricht/9438-deutschland-immer-noch-stromexporteur
4. http://www.klimaretter.info/energie/nachricht/8193-atomkraftwerke-werden-abgefahren
5. http://www.cdu-hamburg.de/deutsch/155/5/27006/presse.html

-Atomenergie-Witschaft-Umweltpolitik Deutschland-



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